Das ganze Team, nicht nur die Leitung
Auch die Ausbildungsbeauftragten in den Werkstätten führen Gespräche mit Auszubildenden. Deshalb trainierte die komplette Mannschaft der technischen Ausbildung gemeinsam.
Wie das Team der technischen Ausbildung bei HEWI in 1,5 Praxistagen gelernt hat, Konflikte früher anzusprechen und Auszubildende zur eigenen Lösung zu führen. Ein Training für Ausbildungsbeauftragte, das fast nur aus Üben besteht.
In der technischen Ausbildung arbeiten Fachleute, die präzise denken und handeln. Gespräche mit jungen Menschen gehören selten zu dem, wofür sie ausgebildet wurden. Gleichzeitig entstehen gerade dort Konflikte, wo das Zwischenmenschliche keinen Platz bekommt.
HEWI ist ein familiengeführtes Industrieunternehmen aus Bad Arolsen in Nordhessen, gegründet 1929. Das Unternehmen entwickelt und produziert Beschläge, Sanitär-Accessoires und barrierefreie Badsysteme. Die eigene technische Ausbildung ist ein zentraler Baustein der Fachkräftesicherung.
Der Anspruch des Teamleiters Daniel Wilke war klar: Ausbildung ist mehr als das Vermitteln von Lerninhalten. Konflikte sollen rechtzeitig angegangen werden, und zwar von der kompletten Mannschaft, nicht nur von einem einzelnen Ausbilder. Deshalb haben wir nicht einzelne Personen geschult, sondern das gesamte Team der technischen Ausbildung, einschließlich der Ausbildungsbeauftragten.
Ein Gesprächstraining für Ausbildungsbeauftragte vermittelt Fachkräften, die nebenbei ausbilden, wie sie schwierige Gespräche mit Auszubildenden führen: Probleme sachlich ansprechen, zuhören und den Azubi mit Coachingfragen zur eigenen Lösung führen. Bei Bildungsreif besteht es aus einer digitalen Vorbereitung und Präsenztagen, in denen fast nur geübt wird.
Auch die Ausbildungsbeauftragten in den Werkstätten führen Gespräche mit Auszubildenden. Deshalb trainierte die komplette Mannschaft der technischen Ausbildung gemeinsam.
Probleme sollen erkannt und angesprochen werden, bevor sie zum Konflikt werden. Dafür braucht es Worte, die nicht verurteilen, und Fragen, die öffnen.
Wer den Hintergrund junger Auszubildender einordnen kann, reagiert gelassener und findet leichter einen Zugang zu ihnen.
Präsenzzeit ist in der Ausbildung knapp. Deshalb wurde sie nicht für Vorträge genutzt, sondern für das, was nur gemeinsam geht: üben, beobachten, Rollen wechseln.
Die Teilnehmenden erarbeiten Grundlagen zu Gesprächsführung und Coaching im innovatim Lernmanagement, eigenständig und im eigenen Tempo. So starten alle mit demselben Ausgangsniveau.
Die Präsenzzeit gehört fast vollständig der Praxis: 10 Gesprächsfälle aus dem technischen Ausbildungsalltag, im Team durchgespielt und überwiegend selbst erarbeitet.
Das Prinzip des Trainings wird zum Prinzip der Ausbildung: Auszubildende erarbeiten selbst, was ihnen fehlt, und die Ausbilder halten den Prozess.
Jede teilnehmende Person brachte ein Gespräch aus dem eigenen Alltag mit, das sie bisher aufgeschoben hatte. Dieses Gespräch begleitete sie durch alle vier Schritte bis zur Probe am Ende.
Tag 1: Was brauchen Auszubildende, und welche eigenen Reflexe springen im Gespräch an?
Tag 1: beobachten statt bewerten, zuhören und Erwartungen klären.
Tag 1: das 3K-Modell anwenden und passende Fragen üben.
Tag 2: das eigene, bisher aufgeschobene Gespräch proben und den Transfer in den Alltag festlegen.
Ein Leitfaden gibt Halt, gerade wenn man Gespräche nicht jeden Tag führt. Er sorgt dafür, dass niemand zu früh zur Lösung springt und am Ende eine verbindliche Vereinbarung steht.
| Schritt | Worum es geht | Beispielfrage |
|---|---|---|
| Kennen | Die Situation verstehen | „Was beschäftigt dich gerade?“ |
| Klären | Ziel, Zusammenhänge und Ressourcen | „Was möchtest du stattdessen erreichen?“ |
| Konkret machen | Optionen und der eigene nächste Schritt | „Was wirst du bis wann tun?“ |
Vom Urteil zur Beobachtung: Statt „Du bist unzuverlässig.“ heißt es: „Am Montag und Mittwoch warst du zehn Minuten nach Beginn am Arbeitsplatz. Wie kam es dazu?“
Gesprächsführung lernt man nicht durch Zuhören. Kern der Präsenz waren deshalb 4 Coachinglabore in Dreiergruppen: Eine Person coacht, eine spielt den Azubi, eine beobachtet. Nach jedem Durchgang wechseln die Rollen, sodass jede Person jede Perspektive erlebt.
Der Aha-Effekt kam beim Rollenwechsel. Wer selbst einmal den Azubi spielt, spürt, wie ein gut gemeinter Ratschlag beim Gegenüber ankommt. Diese Erfahrung überzeugt mehr als jede Folie, und sie erklärt, warum die Gruppe am Ende sagte, sie habe fast alles selbst erarbeitet.
Fall lesen und ein eigenes Lernziel setzen.
Das Gespräch mit dem 3K-Leitfaden führen.
Rückmeldung mit einem konkreten Beispiel aus dem Gespräch.
Neue Rollen, nächster Fall: Jede Person coacht, spielt Azubi und beobachtet.
Die wichtigste Erkenntnis der Gruppe war eine Unterscheidung. Wer berät, gibt die eigene Lösung vor, auch wenn der Auszubildende ganz anders tickt. Wer coacht, macht das Problem sichtbar und lässt die Lösung beim Gegenüber entstehen.
| Beratung | Coaching | |
|---|---|---|
| Typischer Satz | „So würde ich es machen.“ | „Was brauchst du, damit es klappt?“ |
| Wer liefert die Lösung? | der Ausbilder | der Auszubildende |
| Passt zu … | der Erfahrung des Ausbilders | der Art, wie der Azubi tickt |
| Sinnvoll, wenn … | es um Sicherheit und klare Standards geht | Verhalten, Motivation oder Konflikte im Spiel sind |
Erst verstehen, was den Auszubildenden bewegt, bevor du bewertest oder eine Lösung anbietest.
Probleme früh sehen und offen ansprechen, mit einer Beobachtung statt eines Urteils.
Die Maßnahme kommt vom Azubi, nicht vom Ausbilder. So steht er auch dahinter.
Du möchtest deine Ausbildungsbeauftragten ähnlich stärken? Wir entwickeln das Training mit deinen eigenen Gesprächsfällen.
Der Teamleiter und ein Ausbildungsbeauftragter der technischen Ausbildung über Ablauf, Wirkung und das, was sie in ihren Alltag mitnehmen.
Alles zum Projekt auf elf Seiten: Ausgangslage, Lernarchitektur, das 3K-Gesprächsmodell, der Ablauf im Coachinglabor und die Stimmen aus dem Team. Dazu vier Prinzipien, die du für das Training deiner Ausbildungsbeauftragten übernehmen kannst.
Aus Sicht der Teilnehmenden hat sich viel verändert: Sie sehen Auszubildende mit anderen Augen, erkennen Probleme früher und klären Konflikte offen. Das verbessert das Arbeitsklima und lässt mehr Raum für die Lerninhalte.
Eine Gesprächskultur entsteht nur, wenn alle Ausbildungsverantwortlichen dieselbe Sprache sprechen.
Grundlagen im Lernmanagement, damit die gemeinsame Zeit für Übung frei bleibt.
Situationen aus dem eigenen Ausbildungsalltag statt konstruierter Lehrbuchbeispiele.
Wer selbst Lösungen erarbeiten durfte, lässt auch Auszubildende selbst erarbeiten.
Sie lernen, Gespräche mit Auszubildenden so zu führen, dass Probleme früh auf den Tisch kommen und der Azubi selbst eine Lösung entwickelt. Dazu gehören drei Bausteine. Erstens beobachten statt bewerten: Aus „Du bist unzuverlässig“ wird eine konkrete Beobachtung mit einer offenen Frage. Zweitens ein Gesprächsmodell, das Halt gibt; bei Bildungsreif ist das das 3K-Modell mit den Schritten Kennen, Klären und Konkret machen. Drittens die Haltung, die dahintersteht: Der Ausbilder zeigt das Problem auf und hält den Prozess, die Maßnahme erarbeitet der Auszubildende. Geübt wird an echten Fällen aus dem eigenen Betrieb, in wechselnden Rollen als Coach, Azubi und Beobachter. Gerade Fachleute aus der technischen Ausbildung, die lieber in Zahlen als in Worten denken, gewinnen so in kurzer Zeit Sicherheit für Gespräche, die sie bisher aufgeschoben haben.
Bei HEWI bestand das Training aus zwei Teilen. Vorab erarbeiteten die Teilnehmenden die Grundlagen zu Gesprächsführung und Coaching im innovatim Lernmanagement, eigenständig und in ihrem Tempo. Danach folgten 1,5 Präsenztage im Betrieb, die fast vollständig der Praxis gehörten. Der erste Tag führte in drei Schritten vom Verstehen über das klare Ansprechen bis zum Coachen, am zweiten Tag probte jede Person ihr eigenes, bisher aufgeschobenes Gespräch und legte fest, wie sie das Gelernte in den Alltag überträgt. Diese Trennung hat einen einfachen Grund: Präsenzzeit ist in der Ausbildung knapp. Wer sie für Vorträge nutzt, verschenkt die Zeit, in der man gemeinsam üben, beobachten und Rollen wechseln kann. Umfang und Verteilung stimmen wir mit jedem Betrieb neu ab, je nach Teamgröße und Ausgangslage.
Wer berät, gibt die eigene Lösung vor: „So würde ich es machen.“ Das passt zur Erfahrung des Ausbilders, aber nicht unbedingt zu dem, wie der Auszubildende tickt. Wer coacht, macht das Problem sichtbar und fragt: „Was brauchst du, damit es klappt?“ Die Maßnahme entsteht dann beim Azubi, und weil sie seine eigene ist, setzt er sie eher um. Beides hat seinen Platz. Geht es um Arbeitssicherheit oder feste Standards, ist eine klare Ansage richtig. Geht es um Verhalten, Motivation, Pünktlichkeit oder Konflikte im Team, wirkt Coaching nachhaltiger. Für das Ausbildungsteam bei HEWI war genau diese Unterscheidung die wichtigste Erkenntnis des Trainings. Spürbar wurde sie im Rollenwechsel: Wer selbst einmal den Azubi spielt, merkt, wie ein gut gemeinter Ratschlag beim Gegenüber ankommt.
Das 3K-Modell ist ein Leitfaden für Coachinggespräche mit Auszubildenden, den wir in unseren Trainings einsetzen. Es hat drei Schritte. Kennen heißt, die Situation zu verstehen, etwa mit der Frage „Was beschäftigt dich gerade?“. Klären heißt, Ziel, Zusammenhänge und Ressourcen herauszuarbeiten: „Was möchtest du stattdessen erreichen?“. Konkret machen heißt, Optionen zu sammeln und den eigenen nächsten Schritt festzulegen: „Was wirst du bis wann tun?“. Der Leitfaden hilft vor allem denen, die Gespräche nicht täglich führen. Er gibt eine Reihenfolge vor, verhindert, dass man zu früh zur Lösung springt, und sorgt dafür, dass am Ende eine verbindliche Vereinbarung steht. Im Training wird das Modell nicht nur erklärt, sondern in mehreren Durchgängen an echten Fällen geübt, bis es sich natürlich anfühlt.
Weil die meisten Gespräche mit Auszubildenden nicht im Büro der Ausbildungsleitung stattfinden, sondern an der Werkbank, in der Abteilung und im Alltag. Dort arbeiten die Ausbildungsbeauftragten. Wenn nur eine Person weiß, wie man ein schwieriges Gespräch führt, landen alle Konflikte bei ihr, und meist erst dann, wenn sie schon groß sind. Daniel Wilke, Teamleiter der technischen Ausbildung bei HEWI, hat es so formuliert: Konflikte sollen rechtzeitig angegangen werden, von der kompletten Mannschaft und nicht nur von einem einzelnen Ausbilder. Ein gemeinsames Training hat einen weiteren Vorteil. Das Team entwickelt eine gemeinsame Sprache und dieselben Werkzeuge, kann sich gegenseitig Feedback geben und das Gelernte im Alltag am Leben halten. Nach dem Training ist Gesprächsführung dann keine Sache Einzelner mehr, sondern eine Kompetenz der ganzen Ausbildungsmannschaft.
Ja, und genau das empfehlen wir. Bei HEWI stammten alle 10 Gesprächsfälle aus dem technischen Ausbildungsalltag, und jede teilnehmende Person brachte zusätzlich ein Gespräch mit, das sie bisher aufgeschoben hatte. Dieses Gespräch begleitete sie durch das ganze Training bis zur Probe am Ende. Konstruierte Lehrbuchbeispiele haben einen Nachteil: Man kann sich leicht davon distanzieren. Echte Situationen dagegen, etwa wiederholtes Zuspätkommen, nachlassende Leistung oder Spannungen in einer Gruppe, erkennen alle sofort wieder, und das Gelernte lässt sich am nächsten Arbeitstag anwenden. Im Erstgespräch klären wir deshalb, welche Situationen in deinem Betrieb typisch sind, wer teilnimmt und welches Ziel das Training haben soll. Daraus entwickelt Bildungsreif die Fälle, die Übungen und den Ablauf für dein Team.
Das Inhouse-Training stärkt ein ganzes Team in kurzer Zeit, im eigenen Betrieb und mit den eigenen Fällen. Es endet nicht mit einer Prüfung, sondern mit Gesprächen, die die Teilnehmenden geprobt haben und im Alltag führen. Der Lehrgang Coach für betriebliche Ausbildung (IHK) richtet sich dagegen an einzelne Ausbildungsverantwortliche, die Coaching in der Ausbildung umfassend lernen und mit einem IHK-Zertifikat abschließen wollen. Er läuft über mehrere Module, enthält eine Prüfung und verbindet Teilnehmende aus verschiedenen Unternehmen. Beides lässt sich gut kombinieren: Häufig vertieft eine Person aus dem Team, etwa die Ausbildungsleitung, das Thema im Lehrgang, während das Inhouse-Training alle anderen auf denselben Stand bringt. Welcher Weg für deinen Betrieb passt, klären wir gern im Erstgespräch. Details zum Lehrgang stehen auf der Seite des Coach-Lehrgangs.
Das hängt von der Teamgröße, der Dauer, dem Umfang der digitalen Vorbereitung und dem Ort ab. Deshalb nennen wir keinen Pauschalpreis, sondern machen nach einem kurzen Erstgespräch ein schriftliches Angebot. Im Gespräch klären wir, wie viele Ausbildungsbeauftragte teilnehmen, welche Gesprächssituationen bei euch typisch sind, ob das Training an einem oder an zwei Tagen stattfinden soll und ob die Teilnehmenden vorab im Lernmanagement arbeiten. Danach weißt du, was das Training kostet und was dein Team davon hat. Ein Vergleich hilft bei der Einordnung: Ein Konflikt, der zu spät angesprochen wird, kostet Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall einen Ausbildungsabbruch. Das Erstgespräch mit Bildungsreif ist kostenlos und unverbindlich, du kannst den Termin direkt online buchen oder uns über das Formular schreiben.
Schreib uns, wie viele Ausbildungsbeauftragte teilnehmen sollen und welche Gesprächssituationen bei euch typisch sind. Wir melden uns persönlich und entwickeln einen Vorschlag für dein Team.